So schrieb Het Parool einen Tag nach dem Fall der Berliner Mauer

Ost-Berlin leert sich wegen der ‚offenen‘ Mauer“, titelte die niederländische Zeitung Het Parool am Freitag, den 10. November 1989, einen Tag nach dem Fall der Berliner Mauer. Unterstützt von zwei eindrucksvollen Bildern, die das Gefühl von Hoffnung, Freiheit und Erleichterung der Berliner zeigen.

Vierzig Jahre lang trennte die Mauer Ost- (DDR) und West-Berlin. Es war nicht einfach, zwischen Ost und West zu reisen, und die Unterschiede zwischen den Stadtteilen waren enorm. Die Berliner warteten jahrelang auf den Fall der Mauer. Am Donnerstag, dem 9. November 1989, war es endlich soweit: Die Mauer fiel. Ein historischer Tag in der Geschichte, über den Het Parool am nächsten Tag ebenfalls ausführlich berichtete.

Die Tatsache, dass die Mauer physisch noch da war, spielte für viele Berliner keine Rolle. Ein großes, ikonisches Foto, das Ostberliner zeigt, die darüber klettern, zierte die Titelseite. Ostberliner kletterten heute Morgen massenhaft über die Mauer am Brandenburger Tor“, heißt es in der Bildunterschrift.

Daneben ist in etwas kleinerem Format das Foto einer vor Glück weinenden Frau zu sehen. Ein Ostberliner bricht in Tränen aus, nachdem er heute Morgen den Westteil der Stadt erreicht hat“, heißt es darunter.

Probebesuch

Ursprünglich war vorgesehen, dass die Grenzposten zwischen Ost und West um acht Uhr morgens (10. November) wieder geschlossen werden. Das hat nicht geklappt, heißt es in der Eröffnungsmeldung der Zeitung. Ost-Berlin leert sich weiter. Die Grenze zwischen dem östlichen und dem westlichen Teil Berlins, die heute Morgen um acht Uhr wieder geschlossen werden sollte, bleibt vorerst offen, da die Grenzübergänge mit Bürgern, die in den Westen wollen, überfüllt sind. Zehntausende von Berlinerinnen und Berlinern machten das, was der Autor des Artikels einen „Probebesuch“ im Westen nannte.

Auch persönliche Geschichten kamen in der Zeitung nicht zu kurz. Der Journalist Joop Holthuizen war in Berlin und sprach mit Klaus Alofs, der wie viele andere auch kurz „den Glanz des Westens bestaunt“ hat. Alofs hatte sein ganzes Leben in der Leipzigerstraße gelebt, gegenüber dem Checkpoint Charlie. In West-Berlin angekommen, eilte er zu einem Telefon und rief seine Schwester an: „Weißt du, wo ich bin? Ich bin am Checkpoint Charlie, aber auf der rechten Seite!“.

Und nicht nur auf der Titelseite, sondern auch weiter hinten in der Zeitung wurde die Freude der Berliner gezeigt. Die Menschen feierten auf den Straßen und umarmten sich gegenseitig. Wie das Foto unten zeigt, begrüßten viele West-Berliner die Besucher aus dem Ostteil der Stadt mit Sekt.

Historischer Moment

Andere Länder reagierten enthusiastisch auf die offenen Grenzen zwischen der DDR und Westdeutschland. Helmut Kohl, der damalige Bundeskanzler, sprach von einem „historischen Moment für Deutschland“. Und auch der amerikanische Präsident Bush zeigte sich „besonders erfreut“ über die Aufhebung der Reisebeschränkungen zwischen den beiden Gebieten.

Die Reaktionen der niederländischen Politiker finden Sie auf der Auslandsseite. Parteien in Den Haag zufrieden mit „offener DDR“, so die Überschrift des Artikels. Der ehemalige VVD-Sprecher Weisglas: „Ich habe keine Angst vor der deutschen Wiedervereinigung, solange sie fest in der EG verankert werden kann. Und der ehemalige CDA-Abgeordnete Hans Gualthérie van Weezel sagte: „Die deutsche Teilung ist etwas Unnatürliches. Die Wiedervereinigung scheint unaufhaltsam zu sein. Wir müssen jetzt mit noch größerem Nachdruck an der Einigung Europas arbeiten.

Egon Krenz, der ostdeutsche Parteivorsitzende, der wenige Wochen zuvor sein Amt angetreten hatte, hielt kurz vor dem Fall der Mauer eine Rede. Het Parool hat die wichtigsten Teile davon in der Meinungsseite der Zeitung unter der Überschrift „Ursache der Fluchtwelle liegt in der DDR selbst“ veröffentlicht. Kreuz sagte u.a.: „Wir dürfen den Einfluss des Gegners, seine Absichten und seine Kampagne gegen den Sozialismus in der DDR nicht unterschätzen. Aber wir müssen zugeben, dass die wahren Ursachen in unserem eigenen Land gesucht werden müssen.“

So schrieb Het Parool einen Tag nach dem Fall der Berliner Mauer2

Hammer und Meißel

Und in der Ecke am Ende des Artikels auf der Meinungsseite ist ein weiteres ikonisches Foto vom 9. November 1989 zu sehen. Für die Berliner konnte die Mauer gar nicht schnell genug abgerissen werden. Einige begannen den Tag, wie der junge Mann auf dem Foto. Mit Hammer und Meißel versucht ein junger Berliner, die Mauer zwischen West- und Ost-Berlin am Brandenburger Tor „einzureißen“. Ein charakteristisches Bild der fröhlichen Feier gestern Abend“.

Es ist möglich, die gesamte Zeitung vom 10. November 1989 online zu lesen. Sie können dies hier tun.

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